Naturschutzgebiet „Dosenmoor“

Sumpfohreule (Asio Flammeus)

Noch vor wenigen hundert Jahren waren Hochmoore im nordwestdeutschen Flachland weit verbreitet und bedeckten rund 3% der Landesfläche. Heute sind Hochmoore in Schleswig-Holstein infolge Entwässerung, Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzfläche sowie Torfabbau bis auf kleine Restbestände verschwunden. Das Dosenmoor gilt als das am vollständigsten erhaltene Hochmoor in Schleswig-Holstein. Mit einer Fläche von 521 ha ist es zudem das größte Hochmoor der schleswig-holsteinischen Jungmoräne. Das Moor wurde 1981 zum Naturschutzgebiet erklärt. Bereits seit 1978 werden umfangreiche Maßnahmen zur Wiederherstellung eines natürlichen Zustandes („Regeneration“) durchgeführt. Das Dosenmoor ist überwiegend wiedervernässt. Birken und Pfeifengras sind großflächig zurückgedrängt. Der Erhalt und wo immer möglich die Regeneration der Moore zu funktionsfähigen Ökosystemen ist ein wichtiges Ziel des Naturschutzes in ganz Mitteleuropa. Durch die Bindung von Kohlendioxid besteht ein deutlich positiver Einfluss auf das Klima. Aufgrund ihrer Speicherkapazität wirken die Moore ausgleichend auf den Wasserhaushalt. Das Dosenmoor ist Bestandteil des Europäischen ökologischen Netzes „Natura 2000“ (FFH-Gebiet).

Landschaftsentwicklung

Das Dosenmoor und der benachbarte Einfelder See verdanken ihre Entstehung der letzten Eiszeit. Beim Abtauen der Gletscher waren Schmelzwassersande als eine Art Damm („Kame“) abgelagert worden. Weiter östlich hatte ein mächtiger Toteisblock eine große Geländemulde entstehen lassen. Da der Ablauf durch den Kame versperrt war, füllte sich diese Senke beim Abtauen des Eises mit Wasser. Es entstand der fast neun Quadratkilometer große „Dosensee“. Nach dessen Verlandung förderten günstige Klimaverhältnisse die Ausbreitung von Torfmoosen. Regenreiches („atlantisches“) Klima ließ innerhalb von 4-5 Jahrtausenden einen riesigen baumfreien Torfmooskörper entstehen, der mit seiner charakteristisch uhrglasförmigen Aufwölbung die umgebenden Niederungsflächen weit überragte.

Nutzungsgeschichte

Der heutige Zustand des Dosenmoores ist Folge menschlicher Eingriffe, die bereits im 18. Jahrhundert begannen. Der Mangel an Brennstoffen zwang die notleidende Bevölkerung zum Torfstechen am Rand des Moores. Die Privatisierung der staatlichen Ländereien führte zu einer kleinflächigen Parzellierung der Moorflächen, die sich bis in die heutige Zeit erhalten hat. Das südliche Zentrum wurde bis Anfang der 1980er Jahre industriell abgebaut.

Pflanzen- und Tierwelt

Die Vielfalt der Lebensräume im Dosenmoor ist Lebensgrundlage einer artenreichen, spezialisierten Pflanzen- und Tierwelt. Schätzungen gehen von über 2000 Tierarten aus, von denen viele als Spezialisten gelten und fast ausschließlich in Hochmooren vorkommen.

Der bäuerliche Handtorfstich hat einen kleinräumigen Wechsel unterschiedlicher Lebensräume hinterlassen. Während feuchte Bereiche von Feuchtheiden besiedelt sind, haben sich auf trockenen Torfbänken artenarme Pfeifengrasbestände und Birken ausgebreitet. Dank der Renaturierungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte vermittelt das Zentrum des Dosenmoores Besuchern wieder einen Eindruck einer ursprünglich offenen und baumfreien Hochmooroberfläche. Statt der nassen Bult-Schlenken-Komplexe, wie sie in ungestörten Hochmooren natürlich auftreten, wird das Moorzentrum großflächig von Heidekraut-Gesellschaften eingenommen, in denen Glockenheide, Wollgras und Besenheide vorherrschen. Der Anteil an wassergefüllten Torfstichen hat im Dosenmoor durch den Wassereinstau deutlich zugenommen. Viele der verlandeten Torfstiche sind nicht betretbar und von artenreichen Torfmoos-Schwingrasen überzogen.

Ziele und Maßnahmen

Das Dosenmoor ist das bislang aufwendigste Regenerationsvorhaben mit überregionaler Bedeutung in Schleswig-Holstein. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung hochmoortypischer Lebensgemeinschaften und ein von der umgebenden Landschaft unabhängiger, mooreigener Wasserhaushalt. Leitbild im zentralen Moorbereich ist die Schaffung und der Erhalt eines nahezu baumfreien Hochmoorplateaus. Vorhandene Birkenbestände sind schrittweise entfernt (entkusselt) worden. Eine Hüte-Schafherde verhindert erfolgreich das Wiederausschlagen der Birken. Der Moorbirkenwald-Gürtel in den äußeren Randbereichen des Moores soll dagegen erhalten bleiben und für einen ausreichenden Schutz gegen Einflüsse aus der Umgebung sorgen.

Wissenswertes und Interessantes über Geschichte und Ökologie sowie Fauna und Flora des Dosenmoores vermittelt das in Privatinitiative betriebene Infozentrum-Dosenmoor, das auch regelmäßig Führungen veranstaltet (Info unter www.dosenmoor.eu).